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Historic South Tyrol – Sehnsuchtsdestination für Zeitreisende, Individualisten und Genussaficinados

von | Genuss, Kulinarik, Travel

Botschafter zeitloser Gastlichkeit vom 12. Jahrhundert bis zur Belle Époque – zum Verbund Historic South Tyrol zählen die ersten Grand Hotels, die es im Alpenraum gab. Betriebe, die seit Generationen von beherzten und starken Frauen geführt wurden und Wirtshäuser, deren Mauern mehreren Jahrhunderten getrotzt haben.

Unikate, in denen einst Pilger eingekehrt sind oder Bürgertum und Aristokratie ihre Sommerfrische verbracht haben und heute Urlaubskulisse für Individualisten, Kulturinteressierte, Ästheten und Zeitreisende an den schönsten Orten Südtirols sind.

Die Serpentinen schlängeln sich gefährlich eng den Berg hinauf. Hat man das Örtchen Klausen, unweit von Brixen passiert, ist man geneigt zu zögern – die kleinen Gässchen sind so schmal, dass sie in Deutschland als Fußweg deklariert würden. Doch hier sind wir immerhin in Italien. Auch wenn die Beschilderungen konsequent zweisprachig sind (deutsch und italienisch) kommt direkt Dolce Vita Feeling auf.

„Die Stube im Vorderbau war früher Gerichtssitz, heute ein Ort des guten Lebens“, Elisabeth Rabensteiner

Es geht immer weiter nach oben. Hinauf auf 880 Höhenmeter. Im Rückspiegel wird der Ort immer kleiner und es eröffnet sich ein fantastischer Blick über das Tal, umsäumt von einer massiven Gebirgskette.

EINST GERICHTSSITZ, SPÄTER WIRTSHAUS – HEUTE EIN ORT DES GUTEN LEBENS

Zur Begrüßung serviert Elisabeth Rabensteiner einen frischen Südtiroler Apfelsaft. Sie ist hier in Villanders geboren und hat mit gerade einmal 19 Jahren den Ansitz Steinbock übernommen, der seit 2000 im Familienbesitz ist. „Das war natürlich nicht immer einfach“, sagt die dunkelhaarige Frau, die trotzdem genau zu wissen scheint, was sie will. Mit viel Liebe zum Detail, Durchhaltevermögen und einem feinsinnigen Gespür für Gastlichkeit und das gute Leben hat sie den einstigen Gerichtssitz zu einem stilvollen Ort der Erinnerung gemacht.

Ansitz Steinbock in Villanders, Südtirol. Das historische Gebäude wurde nur behutsam restauriert. Elisabeth Rabensteiner führt das Boutique Hotel seitdem sie 19 ist. Hier zu sehen die Stube mit einem alten Bild über der dunklen Holzkommode.<br />
Julia Heinz, Chefredakteurin und Markenstrategin erkundet das Kleinod, das zum Verbund der Historic South Tyrol gehört.

„Ich habe über 800qm alte Holzböden gekauft und aufarbeiten lassen. Einige Handwerker sagen, das sei für ein Hotel nicht nötig – aber in so ein altes Haus gehört keine gewachste oder geölte Eiche – nur, weil sie leicht zu wischen ist…“

 

Das historische Gebäude aus dem 15. Jahrhundert wurde nur behutsam restauriert. Viele alte Gemäuer erhalten, um den historischen Charme zu bewahren. „Wir haben uns bewusst für einen Rückbau entschieden“, erklärt Elisabeth. Reduziert und kompromisslos, mit Fokus auf das Wesentliche. Gerade einmal 12 Zimmer, jedes unterschiedlich gestaltet.

Sanfte Grau- und Erdtöne schaffen eine ruhige und edle Atmosphäre, die die Naturtöne der Umgebung stilsicher einbinden. Ein absolutes Highlight sind die Suiten, die neben einer freistehenden Badewanne über eine eigene Sauna verfügen. Im Zimmer. Mit Blick auf die Sarntalter Alpen. Besser geht es eigentlich kaum. Doch dann starten wir mit dem für Südtirol typischen Aperó. Ein Gläschen in Ehren, kann keiner verwehren – oder wie war das?

Boutique Hotel Ansitz Steinbock in Südtirol. Das historische Gebäude aus dem 15. Jahrhundert wurde nur behutsam restauriert. Die gerade einmal 12 Suiten verfügen teilweise über eine eigene Sauna und freistehende Badewannen. Julia Heinz Chefredakteurin communique Magazin und Markenstrategin erkundet das Kleinod zwischen Brixen und Bozen.

REDUKTION AUF DAS WESENTLICHE

Über die Holztreppe geleite ich ein paar Stufen tiefer – da der Ansitz auf einer Anhöhe thront, sitze ich noch immer hoch empor als ich an einem der nur vier Tische Platz nehme. La Lumosa. Der Name ist Programm. Dunkles Holz, Blau- und Cremetöne. Die Schlichtheit setzt sich auch hier fort. Nichts was von dem ablenken könnte, was sich gleich in sechs Akten auf meinem Teller ereignen wird.

„Natürlich mit viel Butter und Parmesan“, René Tschager

 

René Tschager ist gerade einmal 24 Jahre alt und blickt auf einen beeindruckenden Lebenslauf zurück. Drei Jahre verbrachte er bei Jan Hartwig und sieht den renommierten Sternekoch bis heute als stilprägend. Was er seit 2024 als Executive Chef auf die Teller bringt, zeugt von einer ganz eigenen Handschrift. „Es geht mir um das Produkt und um die Wertschätzung“, wird er mir am nächsten Tag erklären. Was ich natürlich schon ein bisschen aus seinen Kreationen herauslesen konnte. Traditionellen, südtiroler Gerichten verleiht er mit Kreativität und Einfallsreichtum eine moderne Note.

Boutique Hotel Ansitz Steinbock in Südtirol. Das Fine Dining Restaurant La Lumosa unter der Leitung von Executive Chef René Tschager, der u.a. bei Jan Hartwig lernte. Julia Heinz Chefredakteurin communique Magazin und Markenstrategin erkundet das Kleinod zwischen Brixen und Bozen.

 

 

So gibt es zum Beispiel einen Kalbskopf, fein zusammengestellt aus Zunge und Wange. Mit Sherrysauce und elegant drapiert mit hauchfeinen Birnnenscheiben. Innendrin als kleine Surprise ein Bunkerkäse aus dem Pulstertal. Frisch, knackig, würzig und mit leichter Säure. Der von Sommelier Bastian Winkler dazu gereichte Müller-Thurgau vom Weingut Tiefenbrunner unterstreicht den Ansatz, Altes wiederzubeleben und neu zu interpretieren. Der dekonstruierte Schluzkrapfen – ein typischen Gericht aus Südtirol – kommt mit fermentiertem und gekeimten Roggen daher, cremig umhüllt von Spinat-Espuma und Hühnerhaut Crumble. „Natürlich mit viel Butter und Parmesan“, lacht René.

Über 600 Positionen auf der Weinkarte gehören zum Reich von Bastian Winkler – einer der besten Sommliers Südtirols

Auch für zwei weiteren Restaurantkonzepte zeigt sich René Tschagger verantwortlich. So gibt in der früheren Gerichtsstube heute á la Carte frische, saisonale und vor allem regionale Gerichte. Authentisch und ohne Effekthascherei. Dafür mit einer Weinkarte, die sich mit über 600 Positionen sehen lassen kann. In der „Steinbock Wirtsstube“ kehrten bereits im Jahr 1750 Stammgäste ein und genossen die handgemachte Küche. Heute ist Stain der kleine Bruder der Haubenküche – besonders nachmittags, wenn die Sonne auf die Terrasse scheint und der Blick ins Tal einfach atemberaubend ist, ein Genuss.

Der Ansitz erzählt seine Geschichte durch die sorgfältig erhaltene Details: ein gotischer Rundbogen, der markante Erkerturm, der gepflasterte Innenhof, das Wappenfresko der Adelsfamilie an der Fassade oder die originale Türbeschläge und der über 100 Jahre alte Holzboden. Doch vor allem sind es die Menschen und das Team rund um Gastgeberin Elisabeth, die diesen Ort so besonders machen.

Das Boutique Hotel Ansitz Steinbock in Südtirol. Die sonnige Terrasse mit Blick ins Tal. Julia Heinz Chefredakteurin communique Magazin erkundet das Örtchen Villanders in Südtirol.

HISTORIE UND HOCHGENUSS IM ANTLITZ DER WEINREBEN

Und weil das gute Leben in Villanders nicht aufhört, fahre ich noch ein bisschen weiter südlich. Natürlich nehme ich den Weg über Sauders, Bad Dreikirchen und Barbian. Die Brennerautobahn sehe ich nur in Miniaturausgabe von hier oben. Dafür nichts als saftige grüne Wiesen, die sich um die kurvige Straße ranken und vor mir nichts als der freie Blick ins Eisacktal. Nach Bozen und Eppan geht es über die Weinstraße nach Tramin – seit dem 11. Jahrhundert wird dort Gewürztraminer angebaut.

Als ich die Kiessauffahrt hinauffahre, kommt mir bereits Gastgeberin Sabine entgegen. Noch bevor ich die historischen Gemäuer des denkmalgeschützten Edelsitzes aus dem 14. Jahrhundert betrete, wird mir klar, warum Gault&Millau, Guide Michelin und Gambero Rosso hier im Ansitz Romani seit Jahren ihre Auszeichnungen hinterlassen. Von der Terrasse mit Pool hat man einen fantastischen Blick auf die Weinstraße, innen treffen alte Gemäuer auf eine offene Küche, die den Charme des Hauses unterstreicht. Nahbar, herzlichen, authentisch.

„Rohprodukte aus Südtirol und dem Trentino, die den originären Eigengeschmack beibehalten“, Armin Pernstich

10 ZIMMER, 5 SUITEN UND EIN HAUBENRESTAURANT

„Mein Anspruch ist es, eigene Kreationen und verfeinerte Klassiker der regionalen Küche auf der Basis saisonaler, hochwertiger, biologischer Rohprodukte aus Südtirol und dem Trentino zu schaffen – und dabei den originären Eigengeschmack der Rohprodukte zu bewahren“, erklärt Armin Pernstich, der sich ein seiner Doppelrolle als Gastgeber und Küchenchef sichtlich wohlfühlt.

Überhaupt ist Wohlfühlen ein großes Thema. Ankommen. Platz nehmen und genießen. In den ehemaligen Stallungen mit original Gewölbe schreitet man auf knarzenden Holzdielen zu den Tischen, die so viel Patina haben, dass man am liebsten auf Geschirr verzichten würde. Auf den Teller kommen dennoch Schnalser Hirsch mit Petersilienwurzelpüree und Wirsingstrudel sowie der Fang des Tages mit Baba Ganoush, konfierter Tomate und mit Thymian geschmorter Fenchel mit Thymian. Selbstredend, dass mit einem Gewürztraminer heruntergespült wird.

Ansitz Romani in Eppan an der Weinstraße. Blick vom Pool auf die Weinreben bei Sonnenuntergang.<br />
Julia Heinz, Chefredakteurin und Kommunikationexpertin erkundet Südtirol und die Histroic South Tyrol Hotels, die alle inhabergeführt sind.

„Für uns ist der Ansitz ein ganz besonderer Ort, an dem sich Vergangenheit und Gegenwart treffen, um Erinnerungen zu schaffen“, Sabine Pernstich

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Ansitz Romani in Eppan an der Weinstraße. Blick vom Pool auf die Weinreben bei Sonnenuntergang.<br />
Julia Heinz, Chefredakteurin und Kommunikationsexpertin erkundet Südtirol und die Histroic South Tyrol Hotels, die alle inhabergeführt sind.<br />
Hier die Suite im Ansitz Romani mit alten Möbeln und weißer Bettwäsche.

Dass sich hier im Restaurant auch viele Südtiroler die Türklinke in die Hand geben, ist seiner ehrlichen und zugleich hohen Kochkunst zu verdanken. Gemeinsam mit seiner Frau Sabine hat er den Ansitz behutsam und mit viel Fingerspitzengefühl fürs Wesentliche renoviert, um Gästen noch mehr Komfort zu bieten – aber auch, um den Ansitz für weitere Generationen zu bewahren. Die Kinder der Pernstichs tragen bereits ihren Teil zum Familienbetrieb dazu und unterstützen im Restaurant oder im Hotel.

Es ist genau dieser Ansatz, etwas Bleibendes schaffen zu wollen – das traditionelle Erbe Südtirols zu wahren und dennoch mutig vorauszudenken und kreative Interpretationen zu wahren, dass diese Familienbetriebe so besonders und zu einer Sehnsuchtsdestination für Genussreisende macht. Vielleicht ist es auch der südtiroler Charme und das Augenzwinkern, mit dem alpines und mediterranes Flair zu einem ganz eigenen Stil verschmelzen.

„In jeder Epoche wurde Bedeutendes geschaffen – historische Unikate und inhabergeführte Betriebe an den schönsten Orten Südtirols als Botschafter zeitloser Gastlichkeit“ 

 

Ansitz Steinbock und Ansitz Romani sind Mitglied von Historic South Tyrol:

In jeder Epoche wurde Bedeutendes für die Menschheit geschaffen – wichtig ist, dass Menschheit das Geschaffene erhält. Der Zusammenschluss Historic South Tyrol hat sich genau das zum Ziel gemacht. Historische Unikate und Inhabergeführte Betriebe an den schönsten Orten Südtirols als Botschafter zeitloser Gastlichkeit.

Bildnachweis: Ansitz Steinbock, Alex Filz. Ansitz Romani. Julia Heinz

Text: Julia Heinz

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